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Walgesang und Lärmangriff
(Vorspann:)
Auch die sanfteste Wasserwelt hat ihre finsteren Spiegel, und nichts ist
so schön und gut, dass es nur aus schönen und guten Nachrichten
besteht. Micky Remann, Liquid Sound® Entwickler, künstlerischer Leiter
der Toskana Therme und des Berliner Liquidrom, berichtet über ein
Militärprojekt, das die Klangwelt des Meeres bedroht - und was wir
dagegen tun können.
Wohliges Schaukeln und Schweben im Wasser, perlende Klänge im Ohr
und die dankbar angenommene Einladung, die Sinne zu streicheln, statt
sie abzuschotten... So erlebt das Gesamtkunstwerk Mensch das Gesamtkunstwerk
Liquid Sound®, offen für alle, die sich im Klangmedium Wasser tragen
lassen, abgeschaut den Walen und Delfinen, den Meistern der sinnlichen
Sangeskunst in den sieben Weltmeeren.
So lautet die Quintessenz, mit der das Liquid Sound® typische "Baden
in Licht und Musik" bekannt wurde. Dort lässt sich am eigenen
Leib erfahren, dass Schall unter Wasser auch bei zugehaltenen Ohren ins
Gehör dringt, weil Körper und Knochen, unser ganzer wasserhaltiger
Organismus, zum Resonanzkörper wird. Im Wasser spüren wir überdeutlich,
dass wir schwingungsempfindliche Wesen sind, die auf angenehme, wie auf
Misstöne sensibel reagieren. Unter Wasser Musik zu genießen
ist eine Seite der Medaille; auf der anderen steht ein mehr als unsanftes
Projekt, das die Meeresbewohner, besonders die hörempfindlichen Wale,
an ihrem Lebensnerv trifft. Dazu eine Pressemeldung: "Wal-Sterben
in Manövergebiet. Las Palmas (dpa). Bei den Kanarischen Inseln sind
zwölf Wale tot an Land getrieben worden. Umweltschützer und
die Regionalregierung machen die Nato, die in dem Seegebiet Marine-Manöver
abhält, für den Tod verantwortlich. Nach ihrer Ansicht haben
die von den Schiffen und U-Booten ausgehenden Schallwellen das Gehör
der Wale beschädigt und den Tieren den Orientierungssinn genommen."
(SZ, 26.09.2002).
So sehr es schmerzt, es steht zu befürchten, dass solche Nachrichten
keine Ausnahme bleiben. Die vermutete Ursache des Walsterbens ist ein
neues System von niederfrequentem aktivem Sonar (Low Frequency Active
Sonar = LFAS), mit dem sich die Seestreitkräfte - vorne weg die Nato
- ausrüsten, um feindliche U-Boote auf große Distanzen aufzuspüren.
Diese Schallwellen sind bis zu 240 Dezibel laut. Schon die Hälfte,
vergleichbar einem startenden Düsenjet, gilt an Land als akut gesundheitsgefährdend.
Welche Langzeitwirkungen LFAS auf das Leben im Wasser hat, auf das Verhalten
der Wale und Delfine, auf die Reproduktionszyklen der Fische bis hin zum
Stoffwechsel von Plankton, ist in sträflicher Weise unerforscht,
und das wenige, höchst alarmierende, was an Kenntnissen vorliegt,
wird ignoriert. Die Nato scheint entschlossen, alle "Nebenwirkungen"
in Kauf zu nehmen, um ihr System einzusetzen. Wenn sie nicht gestoppt
werden, können die Seestreitkräfte bald 4/5 der Meere mit LFAS
abtasten und en passant ein Sterben riskieren, das den überwunden
geglaubten Walfang in den Schatten stellt.
Vor dem LFA-Sonar, der sich bis zu einer Fläche von 800.000 km2 ausdehnt,
gibt es kein Entrinnen. Nach einem Manöver der US-Navy vor den Bahamas
im März 2000 strandeten dort 17 Wale. Ein Zusammenhang wurde geleugnet,
bis eine Autopsie der Hörorgane der Wale klare Beweise lieferte.
Im März 1988 geriet ein Taucher versehentlich in die Nähe eines
LFAS-Tests mit einem Schalldruck von 160 Dezibel und erlitt ein akutes
Schädeltrauma. Erinnern Sie sich? Unter Wasser wird der ganze Körper
zum Resonanzkörper, beim Menschen genau so wie beim Wal. Ein Gehörschutz,
wie er bei Arbeiten mit dem Presslufthammer vorgeschrieben ist, lässt
sich im Wasser nicht aufsetzen.
Die Nähe zur natürlichen Klangwelt der Wale ist für viele,
die mit Liquid Sound® Musikerfahrungen gemacht haben, eine Selbstverständlichkeit;
sie können sich auch ausmalen, wie es sich anfühlt, wenn der
zarte Schall im Wasser sich zur Belastung auswächst, zur Bedrohung,
zur Waffe wird. Und sie sind in der Lage, Stellung zu beziehen gegen den
haarsträubenden Lärmangriff in den Meeren. Auch ohne LFAS sorgen
Motorboote, seismische Erkundungen und andere Lärmquellen für
Dauerstress bei den vielen Ohren der Ozeane, mit deren "Stille"
es nicht weit her ist. Zjel muss es sein, die akustische Umweltverschmutzung
auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, im Wasser genau so
wie an Land. LFAS führt in die entgegen gesetzte Richtung, in eine
Welt, die nicht mehr klingt, sondern nur noch dröhnt.
Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, aber die Öffentlichkeit
wird allmählich wach. Auf dem Internationalen Kongress "Whalezone
02" in Zürich im Juli 2002 hat die US-Wissenschaftlerin Marsha
Green einen aufrüttelnden Vortrag gehalten, die Veranstalter von
der ASMS (Schutz der Meeressäuger-Schweiz) koordinieren eine weltweite
Unterschriftenaktion. Diese Initiativen werden vom Netzwerk aus Liquid Sound® und Waterview nach Kräften unterstützt. Wir bitten unsere
Partner und alle, die dem musischen Ozean verbunden sind, sich dem Protest
anzuschließen. Die Petition gegen LFAS sowie weitere Informationen
können auf unseren Websites bezogen werden.
Wir wissen nicht, ob unsere Kraft und Kreativität gegen die Pläne
der Militärs ankommt. Aber wir wissen, dass wir sie nicht tatenlos
hinnehmen können. Nicht, wenn uns die Schönheit der Walgesänge
etwas bedeutet.
Micky Remann
Petition downloaden
Sie können die Petition auch auf Englisch,
Französisch, Spanisch
und Italienisch weiter verbreiten!
Weitere Informationen:
ASMS (Schutz der Meeressäuger-Schweiz):
www.silentoceans.org
Marsha L. Green, PhD (Ocean Mammal Institute):
www.oceanmammalinst.org
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